August 2014


"Diezer Vertrag" vom 27. Juli 1564

Zum 450sten Jahrestag des "Diezer Vertrags" kann das Museum eine originale Ausfertigung dieses historischen, für die regionale Geschichte sehr bedeutsamen Dokuments präsentieren. Es wurde freundlicherweise für mehr als einen Monat vom Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden zur Verfügung gestellt und kehrt damit befristet an den Ort seines Abschlusses zurück.
Das Dokument ist eine von mindestens zwei zeitgenössischen Ausführungen. Es besteht aus vier zusammengehefteten Pergamentbögen (dem "Libell"), die sich in Titelblatt, dreizehn in deutscher Sprache beschriebene und zwei leere Seiten gliedern. An der blau-rot-weiß geflochtenen Heftkordel befinden sich vier große Siegel der Vertragsbeteiligten.

Mit dem Diezer Vertrag vereinbarten die Grafschaft Nassau-Dillenburg und das Erzstift Trier die Aufteilung der bisher gemeinsam regierten Nassauischen Gebiete unter jeweils nur eine Herrschaft: Nassau oder Trier. Damit wurde eine schon im 14. Jahrhundert begonnene, komplizierte und konfliktträchtige Herrschaftsform beendet und eine geordnete Konfessionalisierung ermöglicht. Alle an Nassau-Dillenburg gefallenen Territorien wurden nach dem Vertragsabschluss der Reformation zugeführt, wogegen die Trierischen Gebiete katholisch blieben.
Die geographische Konfessionsaufteilung infolge des Diezer Vertrags hat sich nur wenig verändert bis in die heutige Zeit erhalten. Damit prägt eine 450 Jahre alte Vereinbarung bis heute das religiöse Bekenntnis und - in Abhängigkeit davon - zum Teil auch die politischen Mehrheiten der einzelnen Ortschaften unserer Region.



Objekt des Monats


Objekt des Monats

Als "Objekt des Monats" werden bisher nicht in Ausstellungen berücksichtigte Gegenstände oder Dokumente aus dem Stadtarchiv, dem Museumsmagazin oder aus Privatbesitz vorübergehend im Museum gezeigt.
Falls Sie einen Vorschlag für ein zukünftiges Objekt haben, melden Sie sich bitte einfach telefonisch im Museum unter 06432-507467 oder über die Emailadresse leitung@museumdiez.de.

Texte, falls nicht anders ausgewiesen, von Alfred Meurer.

Juli 2017


Schreibmaschine "Erika, Modell S",  1930er Jahre

In den letzten Jahrzehnten war u. a. an den Beispielen des Kassettenrekorders, des fotografischen Films und der Glühlampe zu beobachten, wie schnell technische Alltagsgeräte und Medien an Bedeutung verlieren oder ganz von der Bildfläche verschwinden können.
Zu den eindeutigen Verlierern der voranschreitenden Modernisierung zählt auch die klassische Schreibmaschine. Wie bei vielen Erfindungen des 19. Jahrhunderts beruhte ihr Erfolg auf dem praktischen Raffinesse und der Robustheit eines mechanischen Systems. Nach den unzuverlässigen Exemplaren der Pionierzeit erreichte die Schreibmaschine in den 1890er Jahren mit Neuerungen wie dem "Wagnergetriebe" einen Reifegrad, der ihre Vermarktung als Massenartikel ermöglichte. Innerhalb weniger Jahrzehnte wurden Schreibmaschinen zum weit verbreiteten, sehr nützlichen Hilfsmittel für Behörden und Betriebe, erschwinglich aber auch für einen großen Teil der Bevölkerung. 
Ein wichtiges Ziel der Hersteller war die Entwicklung tragbarer Geräte, mit denen ein Markt außerhalb der Schreibstuben erschlossen werden konnte. Leichte Schreibmaschinen waren besonders für Menschen mit wechselnden Arbeitsplätzen, wie Journalisten, Studenten und Reisende, interessant. Für sie wurden Typen wie die Erika, Modell S des Dresdner Herstellers Seidel & Naumann entwickelt. Den typischerweise weiblichen Namen erhielt sie nach der Enkelin des Firmengründers Karl Naumann.
Das hier gezeigte Exemplar einer Erika, Modell S, ist eine Schenkung von Agi Jansen und Friederike Bartel. Sie stammt aus dem Erbe ihres Vaters, des Diezer Realschuldirektors Helmut Mohr, der sie von seinem Schwiegervater, Fritz Scheid, übernommen hatte. Die Maschine wurde für dienstliche, private und ehrenamtliche Zwecke genutzt.
Mechanische Schreibmaschinen werden heute nur noch in geringen Stückzahlen produziert. Sie führen eine Nischenexistenz zum Ausfüllen mancher Formularvordrucke und Adresszettel.




Kriegsrezepte